shtetl

„Wenn die Welt nicht nur die bunte Vermischung irgendwelcher Antagonismen ist, sondern aus Menschen bestünde, die sich zuhören, dann wäre die beste Weltmusik immer diejenige, die gerade jetzt entsteht.“
(Markus Emanuel Zaja, Apokryphen, Band 2)

Das Ensemble shtetl verbindet in der Musik völlig unterschiedliche Menschen. Ihr musischer Horizont umfaßt sehr heterogene Traditionen aus dem älteren Europa: sind die Musizierenden doch alle Immigranten der zweiten, dritten oder vierten Generation oder im Einzelfall Ureinwohner der Ruhrstadt, die früher mal Ruhrpott war. Und davor Bauernland.

Alles ist authentisch. Die Stimme singt und spricht, kennt alle Urlaute. Die Stahlzungen strahlen, aber nur gelegentlich, sie atmen, wie Flöte, Klarinette, und das Baßgestreich ist delikat, als könnt’s die Fidel sein. Oder ein indisches Harmonium oder oder oder.

Diese wunderbare Musik, deren verschiedene Gewohnheiten Jahrhunderte zurückreichen, entsteht immer nur dann, wenn wir alle leben: im Jetzt. In der Gegenwart. Mitten in der Welt. Ohne Noten. Ohne gegenseitige Berechnung.

Aktueller geht es nicht. Nirgendwo. Nirgendwann. In keiner Welt der Welt.

Und die kleinste Welt ist eben das shtetl. Verkackt. Vernichtet.

Ewig lebendig, im Jetzt.